Brennende Fragen im Religionsunterricht

Veröffentlicht am Mittwoch, 04.10.2017 | Peter Wollinger

Kategorien: Allgemeinbildender Unterricht

500 Jahre Reformation – Warum sind wir eigentlich immer noch getrennt?

Seit mehreren Jahren werden an der Berufsschule I Deggendorf die Schüler unabhängig von ihrer Konfession, egal ob katholisch oder evangelisch, im Fach Religionslehre gemeinsam unterrichtet. Da treten unweigerlich Fragen nach der Glaubenspraxis des anderen auf. Immer wieder drücken die Schüler dabei in Unterrichtsgesprächen und Diskussionen ihr Bedauern über die Trennung der beiden großen Kirchen Deutschlands aus.

Eine neuerliche Debatte nutzte die Religionslehrkraft StR Marco Steininger, um auf die Ursprünge der Reformation aufmerksam zu machen. Am 31. Oktober 2017 jährt sich zum 500. Mal die Veröffentlichung der 95 Thesen, die Martin Luther der Überlieferung nach an die Tür der Schlosskirche in Wittenberg schlug. Während in früheren Jahrhunderten Reformationsjubiläen national und in konfessioneller Abgrenzung begangen wurden, sollte das diesjährige von „Offenheit, Freiheit und Ökumene“ geprägt sein, so der Wunsch der Evangelischen Landeskirche.

Nach einer kurzen Unterredung im Klassenverband beschlossen die Schüler, jenem Wunsch zu entsprechen und das Reformationsjubiläum im Lichte der Ökumene-Bewegung darzustellen. Dabei gestalteten sie in einem abschließenden Projekt vor Beendigung ihrer Schullaufbahn den Schaukasten in der Schulstraße neu, indem sie aktuelle Prozesse der Aussöhnung der beiden Kirchen auf Plakaten dokumentierten.

In den Problemen, z.B. der unterschiedlichen Anzahl an Sakramenten, sahen die Schüler Chancen und Anregungen für gemeinsame Gespräche der beiden Kirchen im Lichte des Glaubens. Im Feiern gemeinsamer Gottesdienste, dem Zelebrieren des ökumenischen Kirchentages und der grundsätzlichen Einheit in der Heiligen Schrift erkannten die Schüler die Chance für eine echte Aussöhnung der beiden Kirchen.

Der Fachbetreuer für Katholische Religionslehre, StD Edmund Nestmeier, zeigte sich erfreut über das Engagement der Schüler, das von einer tiefen Werte- und Toleranzerziehung geprägt ist, die die Lernenden in den vergangenen drei Schuljahren an der Staatlichen Berufsschule I Deggendorf von den verschiedenen Lehrkräften erfahren durften.

Marco Steininger