Christopher Spranger erinnert an Krieg und Gewalt

Veröffentlicht am Montag, 20.11.2017 | Peter Wollinger

Kategorien: Unsere Schule

Rede zum Volkstrauertag                                          

Es ist in Deggendorf seit Jahren üblich, dass Jugendliche der verschiedenen Schularten sich an den Feierlichkeiten zum Volkstrauertag beteiligen. Heuer hatte sich Schülersprecher Christopher Spranger als Vorsitzender der SMV auf Einladung von Oberbürgermeister Dr. Christian Moser dazu bereit erklärt, seine Gedanken zum Volkstrauertag in einer Ansprache darzulegen. Hier ein Auszug aus seiner Rede:

„Als an mich der Wunsch herangetragen wurde, einen Beitrag zum Volkstrauertag 2017 zu liefern, kam mir in den Sinn, dass ich nicht zu einem Thema sprechen könne, das ganz weit weg von mir ist. Anfangs dachte ich, die beiden Weltkriege, deren Opfer wir heute besonders gedenken, seien schon so lange vorbei, dass die junge Generation, der ich angehöre, nichts mehr damit zu tun hat. Nachdem ich aber länger überlegt hatte, wurde mir bewusst, dass ich damit einem Trugschluss erliegen würde. Die Weltengemeinschaft befindet sich ständig in Kriegskonflikten. Auch im Jahre 2017 sind deutsche Soldaten, die manchmal nicht viel älter sind als ich, in den verschiedenen Teilen der Welt im Einsatz. In Mali und Afghanistan beteiligen sich die deutschen Soldatinnen und Soldaten an völkerrechtlich abgesicherten Friedensmissionen oder an durch die UN beauftragten Anti-Terror-Einsätzen. Unsere Landsleute setzen ihr Leben und ihre Gesundheit dafür ein, dass Deutschland als Friedensbringer und Helfer in das Bewusstsein der Menschen in den Einsatzgebieten rückt.

Der Volkstrauertag ist somit für mich nicht in erster Linie eine in die Vergangenheit gerichtete Veranstaltung. Nein, bei genauerem Nachdenken ist der Volkstrauertag ein „Ins-Bewusstsein-Rücken“ von ganz aktuellen politischen Sachverhalten und deren Auswirkungen auf uns alle.

Täglich haben wir in der Schulgemeinschaft Kontakt zu Asylbewerbern in den Sprachintensivklassen, die aus Angst um ihr Leben ihre Heimat verlassen mussten. Täglich erkennen wir so, dass der Friede das höchste Gut auf Erden ist. Täglich erfahren wir so, was es heißt, den Frieden zu sichern und zu bewahren. Die Geflüchteten wissen, was Krieg, Gewalt und Tod bedeuten. Durch den regen Austausch habe auch ich gelernt, dass es keine Selbstverständlichkeit ist, in Friedenszeiten zu leben.

Ich denke an die gefallenen und verletzten Kriegsteilnehmer meiner Generation, an die seelisch und körperlich verkrüppelten Menschen, und trauere um alle Menschen weltweit, die 2017 in Kriegen und bewaffneten Konflikten getötet oder verletzt wurden. Mögen sie uns allen eine flammende Mahnung sein und einen nachhaltigen Aufruf für den Frieden darstellen. Wir alle als Gemeinschaft und als einzelne Personen müssen für den Frieden eintreten, ihn nicht nur einfordern, sondern auch dafür beten.“

Marco Steininger