Gedenken an die Opfer von Krieg und Gewalt

Veröffentlicht am Sonntag, 17.11.2013 | Peter Wollinger

Kategorien: Allgemeinbildender Unterricht | Unsere Schule

Anlässlich des alljährlichen Volkstrauertages finden in vielen Orten Feierstunden statt. In Deggendorf ist es seit Jahren üblich, dass Jugendliche der verschiedenen Schularten sich dazu aktiv beteiligen. Im Jahr 2013 sprach der Schülersprecher der Staatlichen Berufsschule I Herr Matthias Gottinger seine Gedanken über sie Sinnhaftigkeit solcher Gedenktage aus:

Rede zum Volkstrauertag am 17.11.2013 in Deggendorf

Sehr geehrter Herr Dr. Moser,
sehr geehrte Geistliche,
sehr geehrte Damen und Herren,

als an mir der Wunsch herangetragen wurde, als Schülersprecher der Staatlichen Berufsschule I Deggendorf, einen Beitrag zum Volkstrauertag der Stadt Deggendorf zu halten, kam mir als erster der Gedanke, dass ich nicht zu einem Thema sprechen kann, das ganz weit weg von ist. Anfangs dachte ich, die beiden Weltkriege, deren Opfer wir heute besonders gedenken, sind schon lange vorbei und scheinbar hat die junge Generation, der ich angehöre, nichts mehr damit zu tun.
Nachdem ich aber länger darüber nachdachte, wurde mir bewusst, dass ich einem Trugschluss erliege. Die Weltengemeinschaft befindet sich in ständigen Kriegskon-flikten. Auch im Jahre 2013 sind deutsche Soldaten, die manchmal nicht viel älter sind als ich es bin, in verschiedenen Teilen der Welt im Einsatz.
Sie sind, Gott sei Dank, nicht mehr im Einsatz, um gegen andere Völker zu kämpfen und zu erobern, nicht mehr im Einsatz, um andere zu unterdrücken und zu vernichten. Die deutschen Soldaten beteiligen sich vielmehr an völkerrechtlich abgesicherten Friedensmissionen oder an UN-Beauftragten Anti-Terror-Einsätzen.
Ich erinnere z. B. an die Soldaten in Afghanistan, die, wie der damalige Verteidi-gungsminister sagte, unsere Freiheit am Hindukusch verteidigen.
Ich erinnere z. B. auch an die Marinesoldaten vor der Küste Somalias, die für unsere Wirtschaft überlebenswichtigen Seehandelsrouten vor Piraten sichern.
Auch bei diesen Einsätzen haben schon über 50 deutsche Soldaten ihr Leben geopfert oder wurden seelisch oder körperlich schwer verletzt. Sie gaben oder geben noch immer ihr Leben und ihre Gesundheit dafür, dass Deutschland als ein Friedensbringer und Helfer in das Bewusstsein der Menschen in den Einsatzgebieten gelangt.
Wir haben das Thema „Auslandseinsätze der Bundeswehr“ im Sozialkundeunterricht an der Berufsschule I behandelt, als unsere Bundeskanzlerin, Frau Angela Merkel, an einer Trauerfeier für 3 getötete Soldaten aus der Kaserne in Regen teilgenommen hat. Diese Gefallenen und ihre Kameraden halfen beim Aufbau neuer ziviler Strukturen nach dem jahrelangen Bürgerkrieg in Afghanistan. Sie schützten Hilfslose vor den Übergriffen brutaler Talibanmilizen und terroristischen Warlords.
Seit diesem Schuljahr werden an der Berufsschule I Deggendorf junge Asylanten und Flüchtlinge unterrichtet. Sie sind zum Beispiel aus Afghanistan, Syrien oder aus Mali geflohen, weil der Krieg und die dort herrschende Gewalt ihr Leben bedroht und ihnen ihre Zukunftschancen nimmt. Man sieht daran, dass alle Gesellschaftsschichten, alle Landesteile in Deutschland und auch wir hautnah betroffen sind. Betroffen nicht von unmittelbaren kriegerischen Handlungen, sondern von deren schlimmen Folgen. Auch Lampedusa, ein aktuelles Synonym für Flucht und Vertreibung, sollte in diesem Zusammenhang erwähnt werden.
Der Volkstrauertag ist somit für mich nicht in erster Linie ein in die Vergangenheit gerichtete Veranstaltung. Nein, bei genauerem Nachdenken ist der Volkstrauertag für mich ein „Ins Bewusstsein Rücken“ von ganz aktuellen politischen Sachverhalten und deren Auswirkungen auf uns alle.
Ich denke deshalb heute vor allem an die Soldatinnen und Soldaten, die 2013 für mein Heimatland Deutschland im Ausland im Einsatz und die großen Gefahren ausgesetzt waren und sind.
Ich denke an die gefallenen und verletzten Kriegsteilnehmer meiner Generation, an die körperlich und seelisch verkrüppelten Menschen und trauere um alle Menschen weltweit, die 2013 in Kriegen und bewaffneten Konflikten getötet oder verletzt wurden.
Mögen Sie uns alle eine flammende Mahnung sein und ein nachhaltiger Aufruf für den Frieden darstellen. Wir alle als Gemeinschaft und als einzelne Personen müssen für den Frieden eintreten, nicht nur einfordern, und wir müssen dafür auch beten.
Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit!