Schuldnerberatung durch die Schuldnerberatungsstelle

Veröffentlicht am Samstag, 23.04.2016 | Peter Wollinger

Kategorien: Allgemeinbildender Unterricht | Unsere Schule

Immer mehr Menschen verschuldet – auch das Handy trägt dazu bei

Die Überschuldung von Privatpersonen in Deutschland ist 2015 zum zweiten Mal in Folge, wenn auch nur leicht, angestiegen. Zum Stichtag 01. Oktober 2015 wurde für die gesamte Bundesrepublik eine Schuldnerquote von 9,92 Prozent gemessen. Damit sind rund 6,7 Millionen Bürger über 18 Jahre überschuldet und weisen nachhaltige Zahlungsstörungen auf. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich die Anzahl der Schuldner um rund 44.000 Personen erhöht.

Der Anstieg der Schuldnerzahlen beruht ausschließlich auf einer Zunahme der Fälle mit hoher Überschuldung. Ihre Zahl nahm in den letzten zwölf Monaten um rund 57.000 Fälle zu, während die Zahl der Schuldner mit geringer Überschuldungsintensität (nachhaltige Zahlungsstörungen) um rund 13.000 Fälle zurückging. Somit nimmt auch 2015 die „strukturelle Überschuldung“ oder „Basisüberschuldung“ zu: Rund 3,95 Millionen Menschen befinden sich derzeit in Deutschland in einer dauerhaften Schuldenspirale (2006/2015: + 549.000 Fälle).

Oft sitzen den Jugendlichen schon sechs bis sieben Gläubiger im Nacken, am häufigsten öffentliche Verkehrsbetriebe, Gerichte und Sozialbehörden. Bei einer Branche aber steht die junge Käuferschicht besonders oft in der Kreide: Fast immer gehören Mobilfunkanbieter zu den Gläubigern. Im vergangenen Jahr schuldeten die unter 25-jährigen Schuldner den Telefongesellschaften laut Statistischem Bundesamt im Durchschnitt 1400 Euro. Das Handy gilt zudem als eines der Konsumgüter, für das sich Jugendliche oft zum ersten Mal verschulden. Diese Fakten haben eine gut nachvollziehbare Ursache: Das soziale Leben findet im Internet statt und somit ist das Handy eine Art unverzichtbarer Zugang zur Gesellschaft. Wer kein Smartphone hat, gehört nicht dazu, ist nicht online in den sozialen Netzwerken und kann nicht mitreden.

Um unsere Schülerinnen und Schüler vor Überschuldung – auch durch hohe monatliche Belastungen für Handyverträge – zu schützen bzw. bereits Verschuldeten Lösungswege aufzuzeigen, finden an unserer Berufsschule alljährlich Informationsveranstaltungen statt. Sandra Nagl und Christina Kraus von der Schuldnerberatungsstelle der Caritas in Deggendorf führten diese Veranstaltungen für ausgewählte Schüler der 12. Klassen und der Technikerschule durch: In jeweils zwei Unterrichtsstunden gaben sie wichtige allgemeine Grundsatzinformationen und beantworteten zahlreiche Fragen der Zuhörer. Deshalb wurde in manchen Veranstaltungen die Zeit fast zu knapp. In einigen Fällen wurde den Betroffenen auch ein individueller Termin an der Schuldnerberatungsstelle angeboten.

Die Voraussetzung für ein solches Beratungsgespräch ist, dass die Betroffenen auf freiwilliger Basis den Kontakt suchen und ihren Schuldenstand offen darlegen. Wichtig ist auch, dass ein eventuell betroffener Partner zur Mithilfe bereit ist.

Als Fachbetreuer für Sozialkunde bedanke ich mich bei Frau Nagl und Frau Kraus sowie bei der Caritas Deggendorf im Namen unserer gesamten Schule sehr herzlich und hoffe, dass die Vorträge auch im kommenden Schuljahr wieder stattfinden können.

Markus Lautenbacher