Sozialkundeunterricht fand im Gerichtssaal statt

Veröffentlicht am Mittwoch, 06.04.2016 | Peter Wollinger

Kategorien: Berufsvorbereitung | Allgemeinbildender Unterricht

Im Rahmen des Sozialkundeunterrichts besuchte die Klasse BVJ/k zusammen mit ihrem Klassenleiter StD Edmund Nestmeier und den Kolleginnen Hauswirtschaftsmeisterin Evi Haaga und FLin Nicole Miedl zwei Gerichtsverhandlungen am Amtsgericht Deggendorf. Das BVJ/k ist eine Berufsfindungsklasse für Schüler, die noch keine Ausbildungsstelle gefunden haben. Sie werden an drei Tagen in der Woche an der Staatlichen Berufsschule I Deggendorf beschult und verbringen den Rest der Zeit an von Projektleiterin Heike Götz vom Kooperationspartner Donner und Partner organisierten Praktikumsplätzen. Auf diese Weise können sie in Lehrstellen vermittelt werden.

In der ersten Gerichtsverhandlung wurde ein 35-jähriger Angeklagter des Delikts der „Trunkenheit am Steuer“ für schuldig befunden, weil er nach einer Trunkenheitsfahrt am frühen Nachmittag mit 1,11 Promille Alkohol im Blut kontrolliert wurde. Er hatte Widerspruch gegen den Strafbefehl und den nachträglichen Führerscheinentzug eingelegt. Das Gericht kam zu der Überzeugung, dass dafür keine Veranlassung gegeben sei und ordnete ein Fahrverbot für neun Monate an, verbunden mit einer medizinisch-psychologischen Nachschulung.

„Gefährliche Körperverletzung“ stand als nächster Verhandlungsgegenstand auf dem Sitzungsplan. Ein ehemaliger Landwirt beschuldigte seinen Sohn, ihn körperlich angegriffen und anschließend geschlagen zu haben. Auch die Beweisaufnahme, die Anhörung von vier Zeugen sowie die Verlesung von ärztlichen Gutachten und polizeilichen Ermittlungen konnten die Schuld des Angeklagten nicht zweifelsfrei belegen. Das Gericht sprach den Angeklagten deshalb nach dem Grundsatz „In dubio pro reo“-Im Zweifel für den Angeklagten“ frei.

Für die Schülerinnen und Schüler war dies eine sehr lehrreiche Erfahrung. Sie konnten so das deutsche Rechtssystem, Gegenstand im Sozialkundeunterricht, hautnah miterleben. Auch in sprachlicher Hinsicht stellten die Gerichtsverhandlungen eine gewisse Herausforderung dar, insbesondere für unsere nicht deutschsprachigen Mitschüler. Sehr wichtig für alle war die grundsätzliche Erkenntnis, dass in Deutschland Recht und Gesetz und nicht willkürliche Entscheidungen das Zusammenleben der Menschen ordnen.

 

Bildunterschrift: Frau Haaga mit Schülern