Veranstaltung zur Suchtprävention

Veröffentlicht am Dienstag, 20.02.2018 | Peter Wollinger

Kategorien: Aktivitäten

Ehemaliger Alkohol- und Drogenabhängiger zu Gast an der Schule     

„Mal einen Schnaps mehr, das kann schon mal passieren“. „Wenn ich was mit der Freundin meines besten Freundes anfange, dann weiß ich davon am nächsten Tag nichts mehr“. „Geraucht wird bei mir nur beim Weggehen, sonst verzichte ich. Aber wenn doch alle zum Rauchen gehen, wäre ich ja ganz alleine an der Bar. Das würde noch viel schlimmer ausgehen“.

Mit diesen und ähnlichen Statements antworteten die Jugendlichen anlässlich einer kurzen Umfrage bezüglich ihres Alkohol- und Drogenkonsums. Grund genug für die Schulpsychologin StDin Waltraud Brindl, um gemeinsam mit der Suchtberatungsstelle im Landratsamt Deggendorf, die auch den Großteil der Kosten trug, eine Offensive für die Schülergesundheit an der Berufsschule I Deggendorf zu starten.

Auf Empfehlung von Waltraud Kraus von der Suchtberatungsstelle wurde mit Klaus Haschberger aus Regensburg ein ehemaliger Alkohol- und Drogenabhängiger als Diskussionspartner an die Schule eingeladen. Er stand den Berufsschülern in zwei Zyklen (im Oktober 2017 und Februar 2018) aus insgesamt zwölf Klassen der 11. und 12. Jahrgangsstufen Rede- und Antwort. Detailliert wurde den Lernenden auf diese Weise vor Augen geführt, dass Abhängigkeit ein schleichender Prozess ist, in den junge Menschen durch Vorprägung, Gruppenzwang und Selbstüberschätzung hineingeraten können. Der Verrat an sich selbst und vor allem die bloße Missachtung des besorgten Umfelds hatten bei Haschberger selbst zu einem Teufelskreis geführt, den er anschaulich anhand einer Abwärtsspirale verdeutlichte. Erst im Nachhinein könne er manche Etappen auf dem Weg in seine Abhängigkeit in einem anderen Licht betrachten. So schilderte Haschberger beispielsweise, dass er einen ganzen Vormittag vor seiner Waschmaschine gesessen und regungslos auf die Schalter und Zeiger geblickt habe, ohne den Antrieb zur Arbeit zu verspüren. Die Tatsache, dass Haschberger letztlich sogar seine Freunde und seinen damaligen Arbeitgeber bestohlen hatte, um an Geld für seine Sucht zu gelangen, rief bei den Schülern mitfühlendes Schweigen hervor.

Betroffen lauschten die Zuhörer den Ausführungen des Experten und hinterfragten offensichtlich ihr eigenes Verhalten im Hinblick auf einfache Einstiegsdrogen. Es war nicht verwunderlich, dass die jeweils geplanten 90 Minuten für den Austausch mit dem ehemaligen Abhängigen letztlich viel zu kurz für die zahlreichen Nachfragen der Schüler waren. Die anschließend durchgeführte Evaluation hat gezeigt, dass diese stark motiviert wurden, ihr eigenes Suchtverhalten zu überdenken. Einigkeit besteht im Wunsch, die Veranstaltung im kommenden Schuljahr zu wiederholen.

Waltraud Brindl, Marco Steininger