Zwei Schularten – ein gemeinsames Thema: Nistkästen für Jungvögel

Veröffentlicht am 28.04.2015 | Stefanie Zellner | 515 Aufrufe

Kategorien: Aktivitäten, Bau - Holz - Farbe

Zwei Schularten – ein gemeinsames Thema: Nistkästen für Jungvögel

Ein Kooperationsprojekt der Staatlichen Berufsschule I Deggendorf mit der Grundschule St. Martin

 

Das Alter der Schüler und die Lerninhalte lassen nicht unmittelbar auf Gemeinsamkeiten dieser beiden Schularten schließen. Dennoch haben die Berufsschule und die Grundschule Sankt Martin einen Weg der Kooperation gefunden, deren Inhalte in den Lehrplänen beider Schularten verankert sind.

Die Initiative des Projekts ging von Herrn Thomas Peintinger (Lehrkraft der Berufsschule I) aus, die sowohl bei den Lehrkräften der dritten Klassen (Frau Renate Winter, Frau Sabine Steinbauer, Herr Stefan Plank) als auch bei der Schulleiterin Dr. Sibylle Maier auf offene Ohren stieß. In Zusammenhang mit dem Thema Wald beschäftigen sich die Grundschüler mit der Entwicklung und den typischen Merkmalen von Waldtieren. Am meisten interessierten sich die Drittklässler für die Jungvögel. Um diese auch in ihrer näheren Umgebung beobachten zu können, beschlossen sie, in der Schreinerklasse von Herrn Peintinger anzufragen, ob diese ein paar Nistkästen für sie fertigen könnten. Im November 2018 machten sich unsere „Auftraggeber“, die Ganztagsklasse 3a zusammen mit ihrem Klassenlehrer Herrn Stefan Plank, auf den Weg, um den Schreinerlehrlingen im ersten Ausbildungsjahr einen überraschenden Besuch abzustatten. Die Klassensprecher brachten ihr Anliegen vor.

Da sich dieser Wunsch „zufällig“ mit dem Lernfeld zwei des Lehrplans der Schreinerlehrlinge, bei dem ein Produkt für den Außenbereich angefertigt werden muss, deckte, konnte auch sofort Unterstützung zugesichert werden. 

Die Schreinerei beeindruckte die Drittklässler. Die Lehrlinge beantworteten ihnen gern ihre Fragen und erklärten den interessierten Grundschülern den Maschinenpark. Beim Abschied stand für einige ihr Berufswunsch fest: Schreiner.

Die Lehrlinge, 30 Schülerinnen und Schüler der Berufsschule, nahmen diesen Auftrag gerne an. Sie analysierten den Kundenauftrag und formulierten auftragsspezifische Qualitätsmerkmale, wie z.B. Funktion oder Oberflächenbeschaffenheit. Dabei nutzten sie verschiedene Informationsquellen, damit der Nistkasten auch den Bedürfnissen der Vögel entsprach.

Unterstützt durch Herrn OStR Martin Rieder planten und fertigten die Schüler in den nächsten Wochen verschiedene auftragsbezogene Produkte aus unterschiedlichen Werkstoffen, um sie ihren „Kunden“ zu präsentieren. Die zukünftigen Schreiner entwickelten in Kleingruppen unterschiedlichste Nistkästen – ihre „Kunden“  sollten sich für einen Entwurf entscheiden, der dann gebaut werden sollte. Unter Berücksichtigung des konstruktiven Holzschutzes entstanden verschiedene Entwürfe, die in Form eines Modells gefertigt und bei einer Kundenpräsentation an der wenige Meter entfernten Grundschule vorgestellt werden sollte.

Die Schulleiterin Frau Dr. Maier begrüßte die Berufsschüler zusammen mit ihrem Fachlehrer Thomas Peintinger und Fachoberlehrer Günter Mehrl in der Aula und war ebenfalls schon sehr auf die Entwürfe gespannt. Die Lehrlinge präsentierten mit einer gehörigen Portion Lampenfieber vor den drei dritten Klassen insgesamt sieben verschiedene Modelle. Für diese Produktvorstellung in der Aula der GS St. Martin hatten sich die Schreiner sehr gut vorbereitet, schließlich wollte jeder mit seinem Modell überzeugen.

Jede Gruppe erläuterte, für welchen Vogel der Nistkasten gebaut wurde, warum er für diesen besonders geeignet ist und welche Besonderheiten er bietet. Dies wurde sowohl am Modell, als auch anhand von Plakataufstellern veranschaulicht.

Am Ende der Präsentation stimmten die Grundschüler ab – keine leichte Entscheidung. Jeder der jungen Kunden nutzte sein Wahlrecht und gab seinem Favoriten eine Stimme, sodass die ersten drei Sieger prämiert werden konnten. Es obliegt nun den Lehrlingen, die gewählten Modelle konkret zu planen, dazu Fertigungszeichnungen zu erstellen und in den Werkstätten zu fertigen. Somit war der Auftrag vergeben und wird nun umgesetzt. Die Grundschüler wurden eingeladen, während der Produktion erneut die Berufsschule zu besuchen und auch tatkräftig mitzuarbeiten.

Ein erstes Fazit nach der Evaluation zeigte, dass die Lehrlinge von einem realen Kundenauftrag und einer Kooperation mit anderen Schülern begeistert waren. Zudem leistet die Berufsschule mit diesem Projekt einen wertvollen Dienst für unsere Umwelt und den Artenschutz rund um Deggendorf.

Thomas Peintinger

viele Fragen sind zu beantworten

 

 

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